21. September 2024

Evaluation Schleppflugzeug

Seit jeher träumt die Menschheit vom Fliegen. An den Wochenenden wird dieser Traum für die Pilotinnen und Piloten der Segelfluggruppe Pilatus auf dem Flugplatz Luzern-Beromünster zur Realität.


Der idyllisch zwischen drei Seen gelegene Flugplatz bietet hervorragende Bedingungen sowohl für lokale Flüge über das Mittelland als auch für längere Streckenflüge in die Alpen oder das Jura-Gebirge. Ein zentrales Ziel ist dabei die Ausbildung junger Pilotinnen und Piloten, um dem Nachwuchs die Welt der Aviatik näherzubringen.


Segelfliegen ist ein Teamsport – anders als beim Motorflug benötigt es zum Starten eine gut koordinierte Bodenmannschaft, bestehend aus Flugdienstleiter, Rückholer und dem Schlepppiloten. Es gibt zwei gängige Startarten für Segelflugzeuge: den Windenstart, bei dem das Flugzeug durch eine Seilwinde beschleunigt wird, und den Flugzeugschlepp, bei dem ein Motorflugzeug das Segelflugzeug in die Luft zieht. Aufgrund der topografischen Gegebenheiten am Flugplatz Luzern-Beromünster ist der Windenstart keine Option, sodass hier ausschliesslich der Flugzeugschlepp zum Einsatz kommt.


Seit vielen Jahren nutzt die Segelfluggruppe Pilatus dafür eine Dyn'Aero-MCR mit einem 115 PS starken Rotax 914 115 PS Turbo-Motor, der mit nur 60 dB zu den leisesten seiner Klasse zählt – ein hervorragendes Schleppflugzeug. Doch nach mehr als 15 Jahren erfolgreicher Einsätze ist es an der Zeit, die Zukunft des Schleppbetriebs zu überdenken und nach einer geeigneten Nachfolge für das aktuelle Schleppflugzeug zu suchen.


Zu diesem Zweck hat der Vorstand ein Projektteam, bestehend aus Peter Zeitner, Christoph Meier und Michael Glanzmann, beauftragt, verschiedene Optionen zu evaluieren. In den letzten Monaten hat das Team knapp 20 mögliche Flugzeugmodelle auf Herz und Nieren geprüft. Dabei wurden Kriterien wie Lärmemissionen, Leistung und Robustheit besonders berücksichtigt.

Projektteam, v.l.n.r Michael Glanzmann, Christoph Meier, Peter Zeitner

Aufgrund der Nähe zu mehreren Gemeinden ist es der Segelfluggruppe ein grosses Anliegen, die Lärmbelastung so gering wie möglich zu halten. Gleichzeitig muss das Schleppflugzeug leistungsstark genug sein, um das Segelflugzeug auf kürzester Strecke auf eine sichere und wenig lärmbelastende Höhe zu bringen.


Nach intensiven Analysen kristallisierten sich zwei vielversprechende Kandidaten heraus: die Bristell B23, ein modernes Flugzeug aus Tschechien mit neuester Avionik und vielseitiger Ausstattung, sowie die AC4 GT des Schweizer Herstellers Lightwing aus Stans. Beide Flugzeuge sind mit dem kraftvollen und zugleich lärmarmen Rotax 915 iSC 141 PS Turbo-Motor sowie einem Constant-Speed-Propeller ausgestattet. Auch die derzeit genutzte Dyn'Aero-MCR bleibt weiterhin in der engeren Auswahl.


Nach der theoretischen Arbeit folgte am 21. September 2024 der praktische Test auf dem Flugplatz Luzern-Beromünster. Bei perfekten Wetterbedingungen und mit einer motivierten Gruppe an Segelflug- und Schlepppiloten wurden die beiden neuen Schleppflugzeuge auf Herz und Nieren geprüft. Vereinsmitglieder hatten die Möglichkeit, die Flugzeuge vor Ort zu begutachten und sich als Segelflieger „in die Luft schleppen“ zu lassen. Der Probeschlepptag begann um 8 Uhr mit einem internen Pilotenbriefing, gefolgt von der Vorbereitung der Segelflugzeuge. Um 8:30 Uhr trafen die Bristell B23 aus Schänis und die AC4 GT aus Buochs ein. Nach einem gemeinsamen Briefing hob um 9:30 Uhr das erste Schleppflugzeug ab. Bis 16 Uhr wurden insgesamt 21 Testschlepps durchgeführt.


Während des gesamten Tages wurden verschiedene Parameter gemessen, darunter die „ground roll“ – also die Strecke, die das Schleppflugzeug auf der Piste zurücklegt, bis es abhebt – sowie die Steigleistung in fuss bzw. Metern pro Sekunde. Zudem hatten alle Segel- und Schlepppiloten die Möglichkeit, die Flugeigenschaften der Schleppflugzeuge in einem Online-Fragebogen zu bewerten. Während der Mittagspause sorgte unser Vereinskoch Willy wie gewohnt für das leibliche Wohl, und die Flugzeuge wurden allen Vereinsmitgliedern zugänglich gemacht.


Der ereignisreiche und erfolgreiche Tag endete wie gewohnt mit einem Debriefing durch den Flugdienstleiter. Das Fazit: Es gab weder technische Probleme noch Zwischenfälle, aber eine Vielzahl an wertvollen Daten, die nun ausgewertet werden müssen.


Zum Abschluss bedankte sich das Projektteam bei allen Beteiligten mit einem Apero, insbesondere bei den Piloten aus Schänis und Buochs. Als nächster Schritt wird das Team die gesammelten Daten analysieren und verschiedene Nutzungsvarianten bewerten. Ende Oktober wird dem Vorstand ein Zwischenergebnis präsentiert und eine Empfehlung für die zukünftige Schleppflugzeuglösung abgegeben. Dabei bleibt auch die Option, das aktuelle Schleppflugzeug weiter zu nutzen, im Raum.